„Atension“
und „Sinn aus sich selber“
Der Psychotherapeut und Schriftsteller Paul Watzlawick erzählt in seinem Buch: "Vom Schlechten des Guten" (1991, S. 43 ff.) eine offensichtlich selbsterlebte Geschichte von Franzl Wokurka aus dem österreichischen Ort Steinhof:
"Die Leiden des jungen Franzl ... erreichten ihren Höhepunkt, als er als dreizehnjähriger Gymnasiast im Stadtpark vor einem großen Blumenbeet stand und davor eine kleine Tafel mit der Aufschrift entdeckte: Das Betreten der Beete ist bei Strafe verboten. Dies löste bei ihm in den letzten Jahren immer wieder aufgetauchtes Problem aus, denn wieder einmal schien die Lage der Dinge ihm nur eine von zwei Möglichkeiten offenzulassen und beide waren unannehmbar: Entweder seine Freiheit gegenüber dieser Unterdrückung durch die Obrigkeit zu behaupten und im Blumenbeet herumzutrampeln; oder dies nicht zu tun. Aber schon beim bloßen Gedanken, einem schäbigen Schild gehorchen zu müssen, kam ihm die Wut über die Feigheit einer solchen Unterwerfung. Lange stand er da, unentschlossen, ratlos, bis ihm plötzlich, vielleicht deswegen, weil es ihm noch nie eingefallen war, Blumen anzusehen, etwas völlig anderes in den Sinn kam, nämlich: Die Blumen sind wunderschön. ... Die Einsicht schlug über ihm zusammen wie eine brandende Welle, die einen gleich darauf emporhebt und schwerelos seins seines bisherigen Weltbildes bewusst. Ich will das Beet trägt. Er wurde sich plötzlich der Möglichkeit des Anders so, wie es ist; ich will diese Schönheit; ... wiederholte er immer wieder vor sich hin."
Wörtlich kann man "a-tensional" mit "nicht ausgedehnt" übersetzen, weder in der Zeit noch im Raum. Das erinnert an das "zeitlose(e) Durchschreiten des Tores". Es geht um eine Haltung der Stille und Offenheit. "Atension" sieht Franz Fischer am Ort der Entscheidung zwischen "Proflexion und Reflexion". Aus dieser Dimension ist der "Sinn aus sich selber" plötzlich dem Franzl Wokurka "eingefallen", die Blumen "im Sinn von Du" anzusehen. Das "atensionale Kalkül" bedeutet in Franz Fischers Philosophie das Wagnis, auf den "Einfall" aus der im Letzten nie erfassbaren "Wirklichkeit" zu hoffen.